Buch- und Spieletipp: Icon Poet

 
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Mit Würfeln Geschichten erschaffen

Das Spiel Icon Poet der Gebrüder Frei kitzelt mit seinem originellen Ansatz das Storytelling-Gen von Anfängern und Profis gleichermaßen. [von Florian Wagner]

Wenn wir gute Geschichten hören oder lesen, springt unwillkürlich unser Kopfkino an. Und wenn wir Bilder betrachten, verbinden wir das Gesehene mit Emotionen, Erinnerungen, Erfahrungen und Erlebnissen. Wir können nicht anders, so sind wir alle gestrickt. Genau auf diese unwiderstehliche Kraft des Visuellen setzt das im Verlag Hermann Schmidt erschienene Würfelspiel Icon Poet. Mit 216 ausdrucksstarken Icons auf 36 Würfeln eröffnen sich schier unendliche Erzählwelten. Dieses Potenzial macht das Spiel im Buchformat nicht nur zu einem kreativen Zeitvertreib im Familien- oder Freundeskreis. Ich bin sicher auch Profis werden die Beschäftigung mit den Bilderwürfeln als bereicherndes Texttraining für ihren beruflichen Alltag erleben.

So funktioniert Icon Poet

Verschiedene Würfeltypen und ein einfaches und effektives Prozedere sind die Werkzeuge, um erstaunliche Erzählschätze zu heben. Ein gelber Würfel bestimmt zunächst über den Ort der Handlung. Abenteuer, Horror, Krimi, Liebe, Western oder freie Auswahl: Der blaue Genrewürfel entscheidet darüber, an welcher Art von Geschichte sich der Erzähler versuchen darf. Dann spielt der Fortunawürfel Schicksal: Was erwartet die Protagonisten – ein Happy End oder eine griechische Tragödie?

Und schließlich stehen 32 weiße Würfel bereit, um den Ablauf der Handlung festzulegen. Zum Lieferumfang gehört noch ein goldener Würfel mit einer Auswahl an möglichen Trophäen für den Sieger. Und eine Sanduhr mit einer Laufzeit von drei Minuten setzt den zeitlichen Rahmen, um eine Kurzgeschichte zu entwickeln.

„Diese Würfel-Sammlung eignet sich hervorragend für das Kreative Schreiben, weil die Bild-Symbole jede Menge Platz für Phantasie und Assoziation lassen.“ von Pauker, Amazon-Bewertung (5 Sterne)

Ein Buch als Schachtel

Für die Verpackung hat sich der Herrmann Schmidt Verlag eine überraschende Lösung einfallen lassen. Denn Icon Poet präsentiert sich äußerlich als Buch. Beim Blättern durch die ersten Seiten bestätigt sich dieser Eindruck zunächst. Hier stößt der Leser auf einige schöne Beispiele für erwürfeltes Storytelling. Die restlichen 264 Seiten sind allerdings unbedruckt und bilden die Hülle für die eingelassene Box mit den 36 Würfeln. Wie von den Mainzer Verlegern gewohnt, präsentiert sich das Produkt konsequent hochwertig gestaltet und verarbeitet. Die bedruckten Seiten sind typografisch ein Vergnügen und der Einband punktet haptisch und optisch mit Halbleinen, Kunstseide und Prägung. Das sollte man zumindest berücksichtigen, bevor man sich über den für ein Gesellschaftspiel stolzen Preis von 68 Euro echauffiert.

Fazit – Icons als zeitgemäßer Erzählimpuls

Bilder bestimmen in einem nie gekannten Ausmaß unsere Sicht auf diese Welt. In sozialen Netzwerken haben sich Emojis zu einer allgegenwärtigen Kommunikationsform entwickelt. Gerade deshalb erscheint mir der Ansatz von Icon Poet absolut überzeugend, Bilder als Impuls fürs Storytelling einzusetzen.

Die Spielregeln sind einfach und berücksichtigen alle wichtigen Zutaten für eine funktionierende Geschichte. Das Konzept zu würfeln und die Zeit zu limitieren empfinde ich als Gewinn. Denn beides in Kombination fördert eine spontane und intuitive Kreativität. Die gelungenen Icons kitzeln vielfältige dramaturgische und sprachliche Assoziationen heraus – von frappierend einfach bis verwegen um die Ecke gedacht. Und das wiederum bringt spannende Figuren und ungewöhnliche Erzählstränge ans Licht. Ich finde Icon Poet bietet eine tolle Chance für ambitionierte Storyteller, die nach frischer Inspiration suchen und den Mut mitbringen, dafür gewohnte Pfade zu verlassen. Oder sie wünschen sich einfach nur ein intelligentes und unterhaltsames Spiel? Dann sind Sie – zugegebenermaßen zu einem stolzen Preis – auch hervorragend bedient.


Icon Poet
Alle Geschichten dieser Welt in einem Buch

Konzept: Andreas, Lukas und Ueli Frei
Gestaltung: Jenna Gesse
Verlag Hermann Schmidt, Mainz
Gebunden, 308 Seiten, 36 Würfel, 22,2 x 30 cm
68,– Euro
ISBN 978-3-87439-817-6
www.typografie.de

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