Kontextlab – visualisiertes Wissen

 

Sehen und verstehen, wie alles zusammenhängt

Das Start-up Kontextlab verwandelt komplexes Wissen in vernetzte, interaktiv erlebbare Themenlandschaften. [von Susanne und Florian Wagner]

Alternative Fakten, Fake News, Globalisierung: Wir leben in einer komplexen Welt. Gleichzeitig beobachten wir, dass klassische Erzählformate bei der Vermittlung von komplizierten Thematiken und Zusammenhängen an ihre Grenzen stoßen. Die so vermittelten Informationen reichen uns häufig nicht mehr aus, Themen wirklich zu durchdringen und eine fundierte Meinung zu entwickeln. Deshalb begeistert uns das Konzept von Kontextlab. Das Start-up bietet eine spannende digitale Lösung, die auf non-lineares Storytelling setzt. Übersichtlich vernetzte Themenkarten eröffnen Lesern die Möglichkeit, ganz nach ihren individuellen Informationsbedürfnissen in schwierige Sachverhalte einzutauchen. Außerdem betreibt das Start-up mit dieser Erzählmethode und der Medienmarke „Der Kontext“ anspruchsvollen Journalismus, der umfassende Antworten und Hintergründe zu wichtigen Themenschwerpunkten liefert. Wir sprachen mit der Mitgründerin und Kreativdirektorin Julia Köberlein.


 Julia Köberlein, Mitgründerin und Kreativdirektorin des Start-ups Kontextlab.

Julia Köberlein, Mitgründerin und Kreativdirektorin des Start-ups Kontextlab.

Der Ausgangspunkt Ihres Start-ups Kontextlab ist das journalistische Produkt „Der Kontext“. Wie kam es zu der Idee?

Julia Köberlein: Tatsächlich aus einem eigenen Bedürfnis heraus. Schon während meines Studiums habe ich gemerkt, dass ich wahnsinnig viele Nachrichten konsumiere, viele Zeitungen, Magazine und Webseiten lese. Trotzdem hatte ich permanent das Gefühl, dass ich mir zu aktuellen politischen Themen nur schwer eine eigene Meinung bilden kann.

Der Schlüsselmoment war die Bundestagswahl 2009: Zum ersten Mal benutzte ich den Wahl-O-Mat. Ich freute mich wahnsinnig über so eine Erleichterung, weil ich nicht sämtliche Parteiprogramme wälzen und mir das ganze Hintergrundwissen selbst erschließen musste. Im Nachhinein muss ich sagen: Das Tool an sich funktioniert zwar cool, aber ich bekomme nur einfache Fragen, die ich mit Ja oder Nein beantworten kann. Allerdings sind die Fragestellungen gar nicht so einfach, wie sie auf den ersten Blick scheinen. Denn wenn ich gefragt werde, ob ich für oder gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bin, muss ich sehr viel mehr wissen, als wenn ich nur für oder gegen die Bundeswehr oder den Einsatz von Waffen bin. So eine komplexe Gemengelage ist nicht so einfach und plakativ mit Ja oder Nein zu beantworten. Ich stand letztlich mit zig neuen Fragen vor dieser einen Frage und mir wurde klar: Selbst wenn ich viel Aktuelles lese, fehlt mir für eine eigene fundierte Meinung einfach Hintergrundwissen und der Zusammenhang.

In Gesprächen habe ich gemerkt, dass es nicht nur mir so geht. Es herrschte ein latentes Gefühl von Uninformiertheit, obwohl man doch permanent über alle möglichen Kanäle News erhält. Wenn also nicht die Verfügbarkeit an Informationen das Problem darstellt, was kann man dann anders machen? Deshalb habe ich die Frage nach einem neuen Format gestellt: Wie kann ich komplexes Wissen anders vermitteln, sodass Hintergründe und Zusammenhänge entstehen, wenn es um aktuelle Themen geht?


Wie sind Sie die Entwicklung von „Der Kontext“ angegangen?

JK: Um „Der Kontext“ voranzubringen, begann ich 2009 nach meinem Diplom in Kommunikationsdesign extra ein Masterstudium in der Schweiz. Ich wollte mich unbedingt frei mit dem Projekt auseinandersetzen. Zuerst stellte ich mir Fragen zum Inhalt: Was zeichnet diese komplexen Themen aus? Was gehört an Information rein? Was brauche ich überhaupt, um so einen Themenkomplex begreifbar zu machen?

Ich habe das exemplarisch an der Piraterie vor Somalia recherchiert. Um 2009 waren zu den Piratenübergriffen schon zahlreiche Beiträge in den Medien. Aber es gab gefühlt sehr wenig Information zu den Hintergründen in dem Land. Bei meiner Recherche stieß ich auf viele verschiedene Perspektiven, aus denen man ein Thema betrachten kann: einordnende, sachliche, faktische, persönliche, aber auch informelle und vielleicht ungewöhnliche Blickwinkel. Wenn man es in klassische Ressorts einteilt, dann ist es nicht nur ein politisches, sondern auch ein wirtschaftliches, ein gesellschaftliches und ein kulturelles Thema.


Warum haben Sie sich im ersten Schritt für eine Printumsetzung entschieden?

JK: Die Gestaltung von „Der Kontext“ als Printprodukt war eine aus den Anforderungen des Inhalts heraus entwickelnde Lösung. Meine Masterarbeit hatte ich 2010 abgeschlossen. Damals war eine Printlösung naheliegend. Dabei kam die Frage auf: Wie kann man unterhaltsam sein, ohne die Inhalte abschneiden zu müssen? Der ungebundene, großformatige Druck enthielt viele spielerische Elemente. Das ermöglichte den Lesern einen eigenen Weg der Auseinandersetzung mit den eher schwierigen, sperrigen Themen. Man konnte die Teile komplett neu sortieren und seinen eigenen Weg ins Thema finden. Es war nicht wichtig, das eine Ende zuerst zu lesen oder das andere. Und es gab bereits ein Inhaltsverzeichnis, das wie eine Karte aufgebaut war. Damit konnte man sehen, wie die Bereiche zusammenhängen.


Und wie kam es dazu, dass „Der Kontext“ dann zu einer digitalen Lösung wurde?

JK: Seit 2010 hat sich die digitale Welt sehr stark entwickelt. Genauso drastisch hat sich das Bildschirmlesen in den letzten Jahren verändert. In der Zeit zwischen Print- und Digitalmedium habe ich Preise für meine Masterarbeit erhalten. Außerdem gab es Feedback von bekannten Journalisten, die das Projekt innovativ fanden und mir Mut gemacht haben. Obendrein spornten mich unglaublich viele Leser an: „Genau sowas fehlt mir. Genau sowas braucht man.“

Ich dachte ursprünglich daran „Der Kontext“ als Printversion mit Verlagen zusammen zu veröffentlichen. Aber dahinter stehen sehr langwierige Prozesse. Irgendwann kam der Moment, an dem feststand: Das müssen wir jetzt selber realisieren. Bereits während meiner Masterarbeit hat mein Mitgründer Bernhard Scholz das Projekt begleitet, außerdem Recherche und einen Artikel dazu beigetragen. 2014 haben wir uns auf ein Gründerstipendium beworben. Dann war klar: Wenn wir das mit EXIST zusammen umsetzen wollen, muss es digital werden. Allein schon, weil wir so mehr Menschen ansprechen können.

Der digitale Kontext ist die Evolution des Printkonzepts. Was vorher das Inhaltsverzeichnis war, wurde die Plattform mit den Inhalten. Analog zu digitalen Landkarten sollte man immer tiefer ins Thema eintauchen können. Aber es gab noch keine Technologie dafür. Vorhandene Software funktionierte nur als Präsentationstool, ohne Inhalte verknüpfen zu können. Deshalb entwickelten wir die passende Anwendung.

Der Kontext, erklärt von Julia Köberlein.


Was führte dann zur Gründung Ihres Start-ups Kontextlab?

JK: Das Grundkonzept für „Der Kontext“ habe ich alleine entwickelt. Von Anfang an dabei war wie gesagt Bernhard Scholz, den ich schon sehr lange kenne. Seine Stärken liegen vor allem in der Redaktionsarbeit. Bernhard hat einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund mit Studiengängen in Soziologie, Kanadistik und Völkerrecht. 2014 hatten wir uns zur Bewerbung bei EXIST zusammengeschlossen und arbeiteten im Rahmen des Gründerstipendiums am Konzept. Ende des Jahres stieß Erich Seifert zum Team. Wir waren Studienkollegen in Augsburg gewesen. Erich studierte im Bereich Interaktive Medien und Informatik. Da er sich schon lange mit Kartendarstellungen beschäftigte, brachte er Expertenwissen mit. Unser Dreier-Team funktioniert sehr gut. Deshalb haben wir schließlich gemeinsam das Unternehmen gegründet.


Wie groß war die technische Herausforderung eine gute Usability zu schaffen? 

JK: Auf der einen Seite steht natürlich die Usability mit UI-Design und UX-Design. Das hat mit Frontend-Konzeption zu tun: Was sieht der Leser und mit welcher Dramaturgie möchten wir ihn leiten? Auf der anderen Seite steht die technische Herausforderung der Darstellungsweise. Was brauchen wir als Backend und an digitaler Entwicklung, damit das als Software funktioniert, was wir uns konzeptionell für die Nutzeroberfläche überlegt haben? Das sind natürlich zwei verschiedene Paar Stiefel, die nicht leicht in Einklang zu bringen sind. Erich Seifert ist dafür ein ausgezeichneter Partner.

Wir haben darüber hinaus die Software nicht nur für uns, sondern auch für andere entwickelt. Unser zweites Geschäftsmodell basiert darauf und besteht aus Kundenaufträgen und Lizenzvergaben. Wir wollten ein System auf die Beine stellen, das auch in Redaktionen bedient und immer wieder mit anderen Inhalten erstellt werden kann. Wir haben viel überlegt und als Basis die Programmiersprache Python gewählt. Sie wird international immer wichtiger. Wir arbeiten natürlich ebenfalls mit HTML, HTML5, CSS, Javascript und so weiter.


Wie muss ich mir den Entwicklungsprozess vorstellen? 

JK: Wir hatten klassisch angefangen mit Mockups und Scribbles, um das Konzept zu durchdenken. In der Beta-Version war die Technik mit den Minimalfunktionen bedienbar. Bei Tests fragten wir die Probanden: Wie sehen inhaltlichen Bedürfnisse aus? Ist das etwas, das ankommt? Braucht die Menschheit so etwas überhaupt? Das andere war die Usability. Wir beobachteten die Testpersonen, wie sie mit dem System umgingen. Es sollte ja im Idealfall selbsterklärend sein. Für ein Magazin scheint die Bedienungsweise zunächst etwas ungewöhnlich. Aber grundsätzlich funktioniert unser Produkt ähnlich wie eine digitale Landkarte. Von daher haben Nutzer verinnerlicht, sich aus einer Übersicht schrittweise dem Ziel anzunähern. Man muss natürlich verstehen, dass es keine Geo-Karte mit Informationen ist, sondern eine Content-Karte, in die ich aber genauso eintauchen kann.

Nach einige Monaten, im Mai 2015, lief eine funktionstüchtige Beta-Version. Bis zur Veröffentlichung des ersten Themas verging ein weiteres Jahr. Das war technisch noch weit weg von dem, was wir jetzt können. Wir entwickeln das System natürlich ständig weiter.

Wir hatten anfangs keine Medienverwaltung. Das heißt wir mussten jedes einzelne der vielen hundert Videos und Bilder anfassen und in zig verschiedene Formate umrechnen und archivieren. Deshalb haben wir für „Der Kontext“ das Programm „MADAM“ entwickelt, das ein integrativer Bestandteil unseres Systems ist. MADAM steht für „Multimedia Advanced Digital Asset Management“ und es geht dabei um eine automatisierte Medienverwaltung. Das Projekt wurde vom MIZ in Babelsberg gefördert – unter der Voraussetzung, dass es eine Open-Source-Software wird. Jeder kann also das Tool kostenlos nutzen. Inzwischen wird MADAM auch von anderen Magazinen eingesetzt.


Wissen Sie welche Inszenierungen bei Ihren Lesern besonders gut ankommen?

JK: Datenschutz ist uns ausgesprochen wichtig, deswegen erfassen wir Leserdaten nur sehr eingeschränkt. Aber wir sehen, dass „Der Kontext“ lange Nutzungs- und Interaktionszeiten hat. Bei den frei zugänglichen Karten haben wir Interaktionszeiten von durchschnittlich 9,5 Minuten. Bei den Themen hinter der Paywall liegen wir mit 13 bis 14 Minuten sogar noch höher.

Nachdem unsere Themenkomplexe ähnlich aufgebaut sind, macht das Thema wahrscheinlich den Unterschied. Vor allem im frei zugänglichen Bereich. Welche Themen wir als nächstes behandeln, entscheiden wir nicht alleine, sondern durch eine Abstimmung unter den Abonnenten.


Was bedeutet die Entscheidung „Der Kontext“ digital anzubieten in Bezug auf die Demografie der Leserschaft und auf die Reichweite?

JK: Das Printprodukt hatten wir nie im Markt – daher gibt es keinen Vergleichswert. Wir haben uns auch für digital entschieden, um Menschen einfacher zu erreichen. Die Demografie ist total durchmischt. Weil unsere Aufmachung modern und etwas ungewohnt ist, dachten wir anfangs: Das ist ein Magazin für 18- bis 35-Jährige, also junge Akademiker bis einige Jahre nach dem Studium. Aber faktisch haben wir auch Rentner dabei, die es toll finden, zum Beispiel auf Tablets unsere Inhalte zu lesen.

Ich würde jetzt nicht sagen, dass digitale Produkte nur etwas für junge Leser sind – oder für die sogenannten Digital Natives. Es hat eher etwas mit einem Mindset, einem Interesse zu tun. Ich glaube, es gibt inzwischen in allen Gesellschafts- und Altersgruppen Menschen, die sich für digitale Dinge interessieren oder eben auch nicht.


Wie schätzen Sie die Bereitschaft für digitale Inhalte Geld zu bezahlen ein?

JK: Sicherlich ist es für manche eine Hürde, weil man gewohnt ist, dass etliche Inhalte online gratis sind. Aber wir leben gerade an einer Schwelle, wo auch vielen klar wird, dass hochwertige und verlässliche Inhalte Geld kosten. Wir hatten von Anfang an zahlende Leser. Ich denke, wenn jemand wirklich etwas haben möchte, dann ist derjenige auch bereit, dafür Geld zu bezahlen.
Es findet gerade ein Wandel statt. Ich merke das auch an meinem eigenen Verhalten. Wenn ich früher für bestimmte Dinge kein Geld gezahlt hätte, buche ich plötzlich mehrere Abos im digitalen Umfeld. Das ist sicherlich ein Prozess, der noch lange nicht abgeschlossen ist. Ich denke, dass die Bereitschaft insgesamt wächst.


Welche Anforderungen stellt das non-lineare Storytelling im Vergleich zum linearen Erzählen in klassischen Medien?

JK: Beim linearen Erzählen hat man normalerweise einen Anfang, der einen ins Thema reinzieht. Im non-linearen Storytelling stellt die Nutzerführung eine große Herausforderung dar, da der rote Faden scheinbar fehlt. Wir wollen verschiedene Zugänge ins Thema ermöglichen und die Inhalte an jedem Punkt sprachlich so formulieren, dass sie für sich als Anfang stehen können. Unsere Hintergrundartikel sind natürlich in sich linear mit einem klassischen Aufbau. Der Weg dorthin verläuft non-linear und alle kurzen, erklärenden Texte müssen auch für sich alleine funktionieren. Aber so, dass sie sich nicht wiederholen und das Intro jeweils ein anderes ist.


Vor welchen Herausforderungen stehen Sie bei der Themenfindung?

JK: Manchmal muss man etwas Geduld mitbringen, bis man auf das eigentliche Überthema stößt. Es geht um Ursache und Wirkung. Ein Beispiel, das ich gerne nenne, ist der Brexit. Als das Referendum durch war, standen wir kurz vor einer Themenabstimmung. Eigentlich hätten wir das gerne gleich als Thema ausgearbeitet, weil es super aktuell war. Aber letztlich haben wir es gar nicht als Thema vorgeschlagen. Es war einfach viel zu früh, um den Kontext im Hintergrund gut herzustellen. Eines der nächsten Themen war Europas Identität und Zukunft. Da haben wir gemerkt: Nein, eigentlich geht es jetzt nicht um die Frage nach dem Brexit, sondern um die Frage: Gibt es denn eine europäische Identität? Daraus ergibt sich auch die Frage nach der Zukunft Europas. Weil es nicht nur Großbritannien betrifft, sondern viele europäische Länder in denen ein Rechtsruck stattfindet. Wie kann es sein, dass ein so großartiges Projekt wie Europa plötzlich anfängt zu bröckeln?


Wie groß ist die Gefahr, dass ein Thema zu breit wird und Sie den Fokus verlieren?

JK: Die Gefahr ist natürlich da, denn technische Grenzen für die Thementiefe gibt es nicht unbedingt. Aber wir arbeiten in einem ganz normalen redaktionellen Prozess. Wenn wir die Karte im ersten Schritt erstellen, fragen wir uns: Was gehört zum Kernthema und was nicht? Ist es relevant dafür oder zu weit weg? Das können wir während des Redaktionsprozesses relativ einfach abgrenzen. Ein wichtiger Teil der Karten sind die Experteninterviews. Pro Thema haben wir zwei oder mehr externe Experten, die uns bei der Erstellung der Karte über die Schulter schauen. Und so kommen wir auch an eine Eingrenzung, weil wir dann durch den Blick von außen merken, was relevant ist.


Wie viel Aufwand steckt hinter einem Themenkomplex, einer Map?

JK: Es stellt sich eher die Frage: Um was für ein Thema handelt es sich? Wir schaffen eine Themenkarte auch in wenigen Wochen. Aber dadurch, dass wir zwei Geschäftsmodelle haben, müssen wir unsere Kapazitäten aufteilen. Uns ist es wichtig, dass das Thema gut wird und wir alle notwendigen Inhalte drin haben. Deshalb bringen wir nicht jeden Monat ein neues Thema raus. Es gibt so viele Informationen, die von überall her auf uns einprasseln. Wir wollen dem Leser auch Zeit geben, sich intensiv mit unseren Themenkomplexen auseinanderzusetzen. Die Erfahrung hat uns gezeigt, dass für die meisten Leser ein fester Veröffentlichungstermin eine untergeordnete Rolle spielt. Die Themenkarten werden außerdem immer wieder aktualisiert.

 Susanne Wagner traf eine gut gelaunte Julia Köberlein im Schwabinger Wassermann.

Susanne Wagner traf eine gut gelaunte Julia Köberlein im Schwabinger Wassermann.


Haben Sie über die DACH-Region hinaus andere Märkte im Visier? Wohin soll die Reise gehen?

JK: Im Moment liegt unser Fokus auf dem deutschsprachigen Format. Wir haben noch einige Verbesserungen vor. Es wäre natürlich cool, eine englische Version anbieten zu können. Aber der Arbeitsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Wir müssen priorisieren und wollen auch unser Kunden- und Lizenzgeschäft vorantreiben und das natürlich auch über Europa hinaus.


Wie finanzieren Sie „Der Kontext“?

JK: Nach der von EXIST geförderten Gründungsphase, initiierten wir Ende 2015 eine Crowdfunding-Kampagne. Wir setzten die Mittel ein, um die ersten Themen zu produzieren. Crowdfunding hat uns auch geholfen, unseren Bekanntheitsgrad zu steigern. Damals erschienen wir ziemlich viel in den Medien. Das war aber kein Selbstläufer, sondern aufwendige Pressearbeit.

Inzwischen finanzieren wir uns komplett selbst. Aus den Abonnements über das Magazin, aber vor allem aus den Einnahmen, die wir über Kundenprojekte generieren. Das sind Auftragsprojekte genauso wie Lizensierungen. Wobei die Auftragsprojekte immer an unsere Software geknüpft sind, die wir für „Der Kontext“ entwickelt haben.


Warum lassen Sie klassische Finanzierungsmodelle wie Anzeigen außen vor?

JK: Für „Der Kontext“ wollen wir keine Werbung wie Banner. Unsere Inhalte sind stark visuell gesteuert, deshalb würde das nur ablenken. Dass wir sehr lange Nutzungszeiten haben, ist für Werbung natürlich interessant. Was wir nicht kategorisch ausschließen ist, dass es vielleicht Sponsoren geben kann, die ein Thema unterstützen. Für uns ist die oberste Prämisse, unabhängig zu bleiben und keine Mitsprache von Sponsoren zuzulassen. Ansonsten können wir uns das vorstellen.


Wer ist Ihre Zielgruppe für das Lizenzgeschäft und wie wird es angenommen?

JK: Wir sind auf sehr vielen Konferenzen, wo wir mit Interessenten aus völlig unterschiedlichen Branchen in Kontakt kommen. Wir lernen ständig dazu, wo unsere Software gebraucht wird. Bildung ist zum Beispiel ein Bereich. Einer unserer allerersten Lizenznehmer, die Education Group aus Linz, hat uns auf einer Medienveranstaltung angesprochen und gesagt: „Genau das brauche ich.“ Zu der Zeit lief „Der Kontext“ gerade mit einer Beta-Version. Die Education Group erstellt mit unserer Software Unterrichts-Karten für Schüler. Vor kurzem wurde „Mit dem Apfel auf Tour“ mit einer Medaille beim Comenius-EduMedia-Award ausgezeichnet.

Unsere Software findet auch in anderen, sehr unterschiedlichen Bereichen Anwendung: Ein Partner ist der Thieme Fachverlag, der medizinische Lehrbücher herstellt. Für Pflegekräfte haben sie zum Beispiel eine Karte über Herz-Kreislauf-Erkrankungen erstellt. Für die Vereinten Nationen in Genf erstellten wir ein Mapping, in dem es um Wissensmanagement geht. Wir haben eine Seite mit ganz vielen Unterkarten aufgebaut, die aufzeigen, welche Organisationen mit welcher Kompetenz an den Sustainable Development Goals arbeiten. Für den Landwirtschaftsverband Maschinenringe Deutschland sollte erklärt werden, was die Digitalisierung der Landwirtschaft in Deutschland bedeutet und welche Partner dabei sind. Im Moment arbeiten wir für eine Firma im Bereich Medizintechnik. Hier wird unsere Software für die interne Kommunikation eingesetzt, um komplexe Themen zu erklären.

Es ist zwar ein ganz anderes Geschäftsmodell als „Der Kontext“, aber sehr aufregend und wir sind gespannt, was die Zukunft bringt.


 Gründerteam (vlnr): Bernhard Scholz, Erich Seifert und Julia Köberlein

Gründerteam (vlnr): Bernhard Scholz, Erich Seifert und Julia Köberlein

Der Kontext
www.derkontext.com

Kontextlab GmbH
Schwere-Reiter-Str. 2a
80797 München
www.kontextlab.com