Die Grote Sint Laurenskerk zu Alkmaar

 
Grote-Kerk-Alkmaar-wagner1972.jpg

Alte Kirche, neue Aufgabe

Wie es einer Stiftung gelang, die profanierte Grote Sint Laurenskerk wiederzubeleben und damit die Geschichte dieses wichtigen Begegnungsorts weiterzuführen. [von Florian Wagner]

Im Jahr 1996 verkaufte die evangelische Kirche ihr gotisches Gotteshaus an eine Stiftung. Das hätte das Ende dieser altehrwürdigen Institution bedeuten können, die Leben und Kultur im niederländischen Alkmaar fünfhundert Jahre lang prägte. Aber es kam anders: Die Umwidmung erweist sich für die Bürger und Besucher aus aller Welt als glückliche, zukunftsweisende Fügung.

Der erste Eindruck

Als Susanne und ich die Grote Sint Laurenskerk im Juni 2019 betreten, sind wir von der feierlichen Atmosphäre und der imposanten Größe des mittelalterlichen Gebäudes sofort begeistert. Auf den ersten Blick scheint der Raum nach wie vor sakralen Zwecken zu dienen. Die nach der Reformation von 1573 verbliebene Kirchenausstattung befindet sich an Ort und Stelle. Über dem ehemaligen Haupteingang thront eine stattliche Barockorgel und die Pflasterung des Fußbodens besteht vollständig aus historischen Grabplatten.

Sensible Anpassungen

Erst auf den zweiten Blick entdecken wir die Veränderungen: Die moderne Veranstaltungstechnik wurde geschickt integriert, ohne die Architektur zu beeinträchtigen. Im rechten Querschiff befindet sich ein Gastronomiebereich, dessen moderne und schlichte Einrichtung sich hervorragend ins Gesamtbild einfügt. Und die Wände der Seitenschiffe und des Chorbereichs bieten üppig Platz, um Ausstellungen zu präsentieren. Bei unserem Besuch lief gerade eine Schau mit älteren und neuen Werken der bekannten, aus Alkmaar stammenden Fotografin Hellen van Meene. Danach ist die „World Press Photo Exhibition 2019“ zu Gast in der Grote Sint Laurenskerk.

Das Nutzungskonzept

Neben regelmäßigen Fotoausstellungen organisiert die Stiftung im Sommer eine Konzertreihe. Außerdem können die Räume ganzjährig für geschäftliche und private Veranstaltungen gemietet werden. Sogar Hochzeiten finden in der Kirche noch statt – allerdings nicht mehr kirchliche, sondern standesamtliche. Und besonders schön: Außer während Konzerten oder Veranstaltungen, kann jeder die Grote Sint Laurenskerk kostenlos besuchen, die Ausstellungen besichtigen, ins Gespräch kommen und sich von der Stimmung dieses außergewöhnlichen Orts berühren lassen.

Ein historischer Ort schreibt neue Geschichten 

Schrumpfende Gemeinden und leere Gottesdienste führen schon seit Jahren dazu, dass immer mehr Kirchen umgewidmet werden. Oft entstehen dann Büros, Hotels, Restaurants oder gar Kletterhallen. Aber die „Stichting tot Behoud van Monumentale Kerken in Alkmaar“ (Stiftung zur Erhaltung monumentaler Kirchen in Alkmaar) geht einen anderen Weg. Sie degradiert die sakralen Räume nicht zur schicken transzendenten Kulisse, sondern bezieht das Gebäude und seine Aura respektvoll ein. So entsteht dieser offene, lebendige Ort der Begegnung und des Austauschs, den wir bei unserem Besuch erlebten. Besonders gefällt mir, als altem Geschichtenerzähler, wie die jetzt profane Grote Sint Laurenskerk mit ihren Aktivitäten die kirchliche Erzähltradition und die Vermittlung von Botschaften aufgreift, neu interpretiert und weiterführt.


Grote-Kerk-Alkmaar-Eingang-im-blog-seventytwo-von-wagner1972.jpg

Kontakt:

Grote Kerk Alkmaar
Koorstraat 2
1811 GP Alkmaar
The Netherlands
www.grotekerk-alkmaar.nl

 

Weiterführende Links zum Thema:

Zwei wichtige Unterstützer der Grote Sint Laurenskerk:
www.vriendengrotesintlaurenskerk.nl
www.alkmaarorgelstad.nl

Die „Stichting tot Behoud van Monumentale Kerken“ in Alkmaar ist Mitglied bei der Vereniging Beheerders Monumentale Kerkgebouwen.

Diese gemeinnützige Organisation setzt sich europaweit für den Erhalt unseres religiösen Erbes ein:
www.frh-europe.org