So läuft das jetzt – die Trend Serie

 
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Lieber langsam – der Trend zur Entschleunigung

Die Arbeitswelt wird immer schneller und auch im Privaten jagt eine Verpflichtung die nächste. Schön, wenn es gelingt, diese permanente Hektik mit Momenten der Ruhe und des Rückzugs auszubremsen. Ich habe ein Buch entdeckt, das mir hilft, aus dem Alltag auszusteigen, meine kreisenden Gedanken einzufangen und Kraft aus der Entschleunigung zu schöpfen. [von Florian Wagner]

Ein Buch gegen die Beschleunigung

Entschleunigung, Achtsamkeit, Digitales Fasten, Meditation: An Schlagworten, Ratschlägen und Produkten mangelt es nicht, wenn es um die Wiederentdeckung der Langsamkeit geht. Auch ich empfehle Ihnen heute – ja, ein Produkt. Allerdings handelt es sich nicht um einen Ratgeber, eine App zur Selbstoptimierung oder das Kursangebot eines selbsternannten Gurus. Ich erzähle Ihnen vom Fotobuch „Lange Zeit … Lichtbilder der Baltischen See“ von Joachim und Lisa Lindner. Was diese Publikation mit dem Thema dieser Trend-Serie verbindet? Eine Menge, denn schon die Geschichte hinter dem Projekt und den Aufnahmen setzt einen wohltuenden Kontrast zu unserem auf Tempo und Perfektion getrimmten Alltag.

Ein Fotobuch als Langzeitprojekt

Ein Jahrzehnt, von 2005 bis 2016, beschäftigte sich der Fotograf Joachim Lindner auf ausgedehnten Wanderungen mit der Schönheit der Baltischen See. Ausgestattet mit seiner Robert Rigby Pinhole Kamera, besuchte er sieben Länder entlang der Ostseeküste. Die dabei entstandenen Aufnahmen stehen sowohl für eine Rückkehr zu den Wurzeln der Fotografie als auch für eine künstlerische Form der Entschleunigung.

„In diesen Stunden gehört der Blick über das Wasser ganz mir. Bald werde ich ihn wieder teilen müssen.“ Lisa Lindner, aus „Lange Zeit … Lichtbilder der Baltischen See“

Denn die skizzenhaft wirkenden Bilder mit ihren zarten, verschleierten Farben, ihrer Unschärfe und Bewegung entstanden mit einer sogenannten Lochkamera, einer Camera Obscura. Dieser Urtyp unserer heutigen Fotoapparate arbeitet noch ohne Objektivglas, das klare und scharfe Aufnahmen ermöglicht. Auch auf Sucher oder Mattscheibe muss der Fotograf verzichten. Stattdessen zwängt der archaische Holzkasten das vom Motiv reflektierte Licht einfach durch ein winziges Loch. So wird das Abbild während minutenlanger Belichtungszeiten direkt auf den Film gebannt. Mit derart minimalen technischen Möglichkeiten zu fotografieren, erfordert viel Erfahrung, Zeit und die volle Konzentration auf das Wesentliche. Nur das Motiv und der Moment – bewusste Limitierung, gelassenes kreatives Schaffen, alles andere tritt in den Hintergrund.

Was das Buch mit mir macht

Ruhige und zugleich bewegte Aufnahmen, ein schlichtes Layout und poetische Begleittexte: Beim Blättern tauche ich sofort ein in die stimmungsvolle Welt der Baltischen See. Die verschwommenen Szenen von Landschaften und Gebäuden eröffnen mir Freiräume für eigene Gedanken, Gefühle oder Geschichten – Impulse für entspanntes, wunderbar zielloses Kopfkino. Ein Buch, das ich immer wieder spontan in die Hand nehme, um den Alltag loszulassen, zu entschleunigen, im Hier und Jetzt anzukommen und Ruhe zu finden.

Aber ich empfehle „Lange Zeit … Lichtbilder der Baltischen See“  natürlich nicht nur als meine persönliche, buchgewordene Meditationsübung. Was der Fotograf Joachim Lindner hier vorlegt, ist hervorragendes Handwerk und sehenswerte Fotokunst zugleich. Feinsinnige Zeilen von Lisa Lindner, der Tochter des Fotografen, begleiten die Bilder mit einer literarischen Liebeserklärung an die Landschaften entlang der Ostsee. Und die zurückhaltende Buchgestaltung setzt die Inhalte wirkungsvoll in Szene.



Infos zum Buch:

Lange Zeit … Lichtbilder der Baltischen See
Von Joachim Lindner (Fotografien) und Lisa Lindner (Texte)
Erschienen bei seltmann+söhne, Berlin
1. Auflage, 2017
Hardcover, 208 Seiten, 30,8 x 24,5 cm, 144 Abbildungen
ISBN 978-3-946688-00-6
39 Euro

Sie möchten das Buch erwerben?
Der Bildband ist zum Preis von 39 Euro und die Kunstedition zum Preis von 140 Euro erhältlich. Beide Versionen können direkt bei Joachim Lindner bestellt werden.
www.jl-fotografie.de/lange-zeit-2


Der Fotograf Joachim Lindner mit seiner Tochter Lisa Lindner bei der Ausstellung im Museum Villa Irmgard Heringsdorf, Usedom, 2018.

Der Fotograf Joachim Lindner mit seiner Tochter Lisa Lindner bei der Ausstellung im Museum Villa Irmgard Heringsdorf, Usedom, 2018.

Fotoausstellung

Für das Frühjahr 2020 ist eine Ausstellung mit den Fotografien des Bildbands in Schwabach geplant. Wir halten Sie über Details auf dem Laufenden. 


Warum diese Serie

Metatrends, Megatrends, soziokulturelle Trends, Konsum- Zeitgeist-, Produkt- und Modetrends: Trends als mehr oder weniger nachhaltige Veränderungsbewegungen sind überall. Sie durchdringen und formen unsere Gesellschaft. Und weil uns das alle betrifft, möchten wir unsere Trend-Erfahrungen hier teilen. Und wir zeigen, was das alles mit Storytelling zu tun hat.