So läuft das jetzt – die Trend Serie

 
Ist das Kunst oder kann das weg?  Minimalismus im Sinne von „weniger ist mehr“ gilt aktuell als Zauberformel für viele Lebenslagen.

Ist das Kunst oder kann das weg? Minimalismus im Sinne von „weniger ist mehr“ gilt aktuell als Zauberformel für viele Lebenslagen.

Minimalismus und die Kunst des Weglassens

Minimalismus entpuppt sich mittlerweile als langlebiger Trend. Ich spreche hier nicht von der Kunstströmung, sondern von angewandtem Minimalismus als Haltung und Methode im Alltag. Obwohl ich mich eher als Trend-Skeptiker sehe, hat diese Bewegung jetzt auch mich erfasst. [von Florian Wagner]

Ballast abwerfen

Achtung: Minimalismus kann ihr Leben verändern! Kein Spruch, das erlebe ich gerade live und in Farbe. Wir ziehen momentan um, und weil wir uns deutlich verkleinern wollen, folgte auf diese Entscheidung eine intensive Phase des Ausmistens für Susanne und mich. Marie Kondo – die Hohepriesterin des Minimalismus – vertritt folgende steile These: Zwei Drittel der Gegenstände eines Haushalts können getrost entsorgt werden.

Tatsächlich sind wir etwas konservativer vorgegangen. Trotzdem beschlichen mich beim Betrachten der Berge ausrangierten Krempels Zweifel am eigenen Geisteszustand. Aber das anfängliche Entsetzen verwandelt sich im neuen Wohnumfeld allmählich in ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit. Ich vermisse nicht ein Stück. Unser Anflug von Minimalismus fühlt sich keine Sekunde an wie Verzicht. Ganz im Gegenteil, ich fühle mich befreit.

Paradox: Reduktion erlebe ich jetzt als Luxus, den ich normalerweise mit Überfluss und Verschwendung gleichsetze – also dem glatten Gegenteil von Minimalismus. Das macht diesen Trend in meiner Augen interessant und zu einem wertvollen Impuls für unsere gedankenlose Konsumgesellschaft.

Minimalismus und Storytelling

Und was hat dieses Thema bitte auf einem Storytelling-Blog zu suchen? Ganz einfach: Geschichtenerzählen und die Kunst des Weglassens gehören für mich unmittelbar zusammen. Es geht darum zu erkennen, welche Informationen erforderlich sind, um Sachverhalte oder Ereignisse zu schildern. Und wegzulassen, was nur ablenkt und den Fluss der Geschichte stört.

Der Minimalismus-Gedanke beeinflusst das Geschichtenerzählen weit über den Text hinaus. Insbesondere im visuellen Storytelling spielt das Verdichten von Informationen und Botschaften eine zentrale Rolle. Wer das beherrscht, kann mit einem Bild mehr erzählen, als es tausend Worte könnten. Ich habe mich an einem entsprechenden Eröffnungsbild zu diesem Beitrag versucht – urteilen Sie selbst. Außerdem inspiriert das Thema Minimalismus diverse Storyformate.

Minimalismus-Storyformate

Marie Kondo ist zurzeit wohl die prominenteste Vertreterin des praktischen Minimalismus. Das TIME Magazine zählte sie bereits im Jahr 2015 zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. Die Japanerin hat den Bestseller „Magic Cleaning – wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert“ geschrieben. Sie ist darüber hinaus die Protagonistin einer Netflix-Serie. Im äußert populären Storyformat „Aufräumen mit Marie Kondo“ unterstützt die Expertin bei der Beseitigung von Altlasten. Hüpfend, kichernd, sortierend und faltend schafft sie dabei neuen Raum für Lebensfreude. Im Jahr 2017 veröffentlichte Kondo ihr neues Buch, in dem sie ihre Herangehensweise in Form von Mangas vorstellt. Dieses Buch ist gerade unter dem wenig minimalistischen Titel „Die KonMari-Methode: Wie du Liebe, Job und Alltag in Ordnung bringst. Ein Manga“ auch auf Deutsch erschienen.

Auch die Amerikanerin Courtney Carver ist minimalistisch unterwegs. Sie tritt als Erfinderin von „Project 333“ auf, das man dreiunddreißig drei ausspricht. Dahinter steckt die Idee, seine Garderobe für 3 Monate auf 33 Teile zu beschränken. Bekannt wurden Sie und ihre Methode durch die Dokumentation „Minimalism: A Documentary about the Important Things in Life“, die ebenfalls auf Netflix angeboten wird.

Weitere interessante Links zum Thema Minimalismus:

Die offizielle Website von Marie Kondo, die ihre Methode in ein florierendes Business verwandelt hat. konmari.com

Die offizielle Website von Courtney Carver stellt das Project 333 vor und zeigt, dass diese Methode die Konsequenz einer weitreichenderen Geisteshaltung der Urheberin ist. bemorewithless.com/project-333

Die Nachhaltigkeitsexperten von Utopia stellen drei Minimalismus-Methoden für Einsteiger vor. utopia.de/…/minimalismus-methoden

Die Autorin Katharina Mau lebte 30 Tage ohne Möbel. orange.handelsblatt.com

Francesco Giammarco erzählt von seinen Erfahrungen mit dem Project 333 von Courtney Carver. zeit.de/…/minimalismus-kleidung-trends

Und zu guter Letzt berichtet die FAZ von Menschen, die Minimalismus als radikalen Konsumverzicht leben. faz.net/…/ein-neuer-lebensstil-erwaechst-der-minimalismus


TV-Tipp

MINIMALISMUS – Stefan Venator vom hr rief im Juni bei uns an, um für die neue Folge von XENIUS (ArteTV) „Aufräumen – Wie Ordnung unser Leben verbessern kann“ zu recherchieren. Wir sind zwar nicht im Film, wir freuen uns aber, dass unsere Blog-Themen inspirieren.
Sendetermin: Am 9. September 2019 um 16:40 Uhr wird die XENIUS-Folge auf ArteTV gezeigt.


Warum diese Serie

Metatrends, Megatrends, soziokulturelle Trends, Konsum-, Zeitgeist-, Produkt- und Modetrends: Trends als mehr oder weniger nachhaltige Veränderungsbewegungen sind überall. Sie durchdringen und formen unsere Gesellschaft. Und weil uns das alle betrifft, möchten wir unsere Trend-Erfahrungen hier teilen. Und außerdem zeigen wir, was das alles mit Storytelling zu tun hat.